Handarbeiten gehörten für mich schon früh zum Alltag. Das Häkeln und Stricken habe ich von meiner Mutter gelernt, wobei ihre große Stärke eher beim Häkeln lag. Also verbrachte auch ich viele Jahre mit Häkelnadeln, Garnen und kleinen Projekten. Topflappen, Amigurumis und allerlei andere kreative Ideen.
Mit der Zeit wurde ich immer geübter. Irgendwann wurde ich schneller als meine Mutter im häkeln. Da wir einen ähnlichen Häkelstil haben, kann ich manche ihrer Projekte sogar weiterhäkeln.
Eine meiner schönsten Erinnerungen stammt jedoch aus Italien. Als ich etwa zehn oder elf Jahre alt war, besuchten wir meine Nonna. Im Gegensatz zu meiner Mutter strickte sie viel lieber, als zu häkeln. Sie zeigte mir neue Techniken, erklärte geduldig die nächsten Schritte und wir strickten sogar einmal um die Wette.
Natürlich hatte ich keine Chance gegen sie.
Meine Nonna war unglaublich schnell und ihre Hände bewegten sich scheinbar mühelos. Sie strickte viele schöne Dinge und in jedem einzelnen Stück steckte viel Zeit, Geduld und Herzblut.
Viele Jahre später ließ ich mich von einer Arbeitskollegin inspirieren, die gerne Socken strickte und entschied mich schließlich dazu, meinen Kindheitstraum wahr werden zu lassen und auch meine ersten eigenen Socken zu stricken.
Also kramte ich die schöne Sockenwolle raus, die seit Jahren im Schrank wartete. Zu meiner Überraschung war es viel einfacher, als ich immer gedacht hatte. Viele Anfänger greifen heute zur Rundstricknadel, doch ich verliebte mich sofort in das klassische Nadelspiel. Anfangs wirkte das Geflecht aus fünf Nadeln fast einschüchternd, doch genau diese Herausforderung machte mir Spaß.
Beim Häkeln konnte ich immer genau sehen, was passiert, wenn ich die Nadel anders einsteche oder den Faden auf eine bestimmte Weise führe. Stricken erschien mir dagegen lange deutlich komplizierter. Ich hatte sogar die Vorstellung, dass ein Fehler das ganze Projekt ruinieren könnte. Erst bei meinen ersten Socken habe ich gelernt, dass man auch beim Stricken Fehler korrigieren, Maschen wieder aufnehmen und einige Reihen zurückgehen kann. Man muss zwar etwas genauer arbeiten und wissen, wie man vorgeht, doch genau das macht das Stricken für mich heute so faszinierend. Hinter den vielen Maschen steckt weit mehr Freiheit und Flexibilität, als ich früher gedacht hätte.
Die Wintermonate standen vor der Tür und ich brauchte Handstulpen. Natürlich hätte ich einfach in ein Geschäft gehen können. Vermutlich hätte ich innerhalb weniger Minuten ein Paar gefunden und für wenig Geld mit nach Hause genommen.
Doch genau dieser Gedanke brachte mich zum Nachdenken.
Wie selbstverständlich ist es eigentlich geworden, Dinge einfach zu kaufen?
Geht etwas kaputt, wird es ersetzt.
Dabei vergesse ich manchmal, wie viel Arbeit früher hinter solchen Gegenständen steckte. Früher waren Handarbeiten nicht einfach nur ein Hobby. Sie waren Wissen. Fähigkeiten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Menschen wussten, wie man Kleidung repariert, stopft, näht, strickt oder häkelt. Nicht aus nostalgischen Gründen, sondern weil es notwendig war.
Meine Mutter erzählte mir oft von ihrer Kindheit. Sie wuchs mit sechs Geschwistern auf und die Familie hatte nicht viel Geld. Dinge wurden aufgehoben, repariert und weiterverwendet. Wegwerfen war keine Option.
Besonders berührt hat mich eine Geschichte über meinen Opa. Weil nicht immer Geld für Material da war, schnitzte er meiner Mutter aus einem übrig gebliebenen Knochen eine Häkelnadel.
Heute kann ich innerhalb weniger Minuten Wolle, Nadeln und Anleitungen bestellen. Damals brauchte es Einfallsreichtum, Geduld und oft auch Improvisation.
Wenn ich stricke, denke ich manchmal darüber nach.
Meine Handstulpen bestehen aus Wolle, ein paar Nadeln, etwas Zeit und Geduld. Das klingt zunächst unspektakulär. Doch je länger ich daran arbeitete, Reihen zählte, Farbwechsel übte und Fehler wieder auftrennte, desto mehr begann ich zu verstehen, warum handgemachte Dinge früher einen so hohen Wert hatten. Nicht nur wegen des Materials.
Sondern wegen der Zeit.
Zeit ist etwas, das sich nicht ersetzen lässt.
In jeder Masche steckt ein kleiner Teil davon. Jede Reihe wurde bewusst gearbeitet. Jede Entscheidung wurde von Hand getroffen.
Vielleicht fühlen sich selbstgemachte Dinge deshalb oft anders an. Nicht unbedingt besser aber persönlicher.
Meine Handstulpen sind sicherlich nicht die beeindruckendsten der Welt. Doch jedes Mal, wenn ich sie trage, erinnern sie mich an etwas.
An meine Mutter, die mir die ersten Handarbeitstechniken beigebracht hat.
An meine Nonna, die mich beim Stricken mühelos in den Schatten gestellt hat.
An meinen Großvater, der aus einem einfachen Knochen eine Häkelnadel schnitzte.
Und daran, dass viele Dinge, die heute selbstverständlich erscheinen, einmal das Ergebnis von Wissen, Geduld und echter Handarbeit waren, welche Jahrhunderte weitergegeben wurde.
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum ich Kreatives so liebe.
Nicht nur wegen des fertigen Ergebnisses.
Sondern wegen der Geschichten, die darin weiterleben.
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Das Produktfoto zeigt ein bereits angefertigtes Beispiel. Farbverlauf und Musterung können leicht abweichen.
Die Stulpen werden nach Bestellung gestrickt und sind innerhalb von ca. drei Wochen fertig.