Letztes Jahr habe ich gemeinsam mit einer Freundin zum ersten Mal einen Korb geflochten. Bis dahin kannte ich vor allem das Arbeiten mit Garnen, durch das Häkeln, Stricken, sticken, nähen und Knoten von Makramee um Muster entstehen zu lassen. Das Korbflechten war für mich eine völlig neue Erfahrung.
Besonders faszinierend fand ich, dass das Material ständig feucht gehalten werden muss. Die Weidenruten werden vor dem Flechten eingeweicht, damit sie biegsam bleiben und sich formen lassen. Während man beim Makramee eher auf die Spannung der Knoten achtet, muss man beim Flechten immer wieder darauf achten, die richtige Elastizität des Materials zu erhalten. Ist das Material zu trocken, wird es spröde, knickt um oder bricht im schlimmsten Fall und muss ersetzt werden. Ist es ausreichend feucht, lässt es sich wunderbar verarbeiten und in die gewünschte Position biegen.
Für mich war es schön, mich mit einer neuen Handarbeit auseinanderzusetzen. Gerade weil ich viele Jahre Makramee geknüpft habe, tat es gut, meine Hände einmal auf eine ganz andere Art zu benutzen und neue Techniken kennenzulernen.
Als mein erster Korb fertig war, stand ich allerdings vor einem kleinen Problem: Was mache ich jetzt damit?
Eine Weile stand er einfach da, bis mir auffiel, dass seit inzwischen drei Jahren eine nackte Glühbirne in meinem Wohnzimmer von der Decke hing. Ich hatte nie einen Lampenschirm gefunden, der mir wirklich gefiel. Also kam mir eine Idee: Warum nicht einfach den selbst geflochtenen Korb verwenden?
Kurzerhand bohrte ich ein Loch in den Korbboden und verwandelte ihn in einen Lampenschirm. Aus meinem ersten Flechtprojekt wurde plötzlich ein Gegenstand, den ich jeden Tag nutze und sehe.
Einige Monate später wollte eine Freundin einen alten Rattankorb loswerden. Der Korb stand nur noch im Keller und hatte seinen Deckel längst verloren. Eigentlich war er viel zu schade zum Wegwerfen. Also nahm ich ihn mit nach Hause.
Der Korb selbst war noch wunderschön erhalten, nur der Deckel fehlte. Und genau da kam mir der Gedanke: Dann flechte ich eben selbst einen.
Also bestellte ich Staken, rosafarbenes Peddigrohr und einen Messinggriff mit kleinen Porzellanblumen. Danach musste ich nur noch auf wärmere Temperaturen warten, denn im Sommer lässt es sich draußen einfach am schönsten flechten. Zumal das Flechten eine nasse Angelegenheit ist.
Ich war ehrlich gesagt ziemlich gespannt, ob das überhaupt funktionieren würde. Einen Korb hatte ich zwar schon einmal gemacht, aber einen passenden Deckel für einen vorhandenen Korb anzufertigen, fühlte sich nochmal nach einer ganz anderen Herausforderung an.
Als es endlich so weit war, stellte ich eine Schüssel mit Wasser bereit, weichte das Material ein und schaute mir noch schnell ein YouTube-Video an, um mich an den Anfang in der Mitte zu erinnern.
"Kurz Video schauen und zack – Deckel fertig“ klingt im Nachhinein deutlich einfacher, als es tatsächlich war. Nach ungefähr drei Stunden Flechtarbeit war der Deckel schließlich fertig.
Und trotzdem war genau dieses Gefühl am Ende das Schönste: einen Korb vor mir zu haben, der wieder vollständig war. Nicht mit einem gekauften Deckel, sondern mit einem, den ich selbst angefertigt hatte.
Dabei musste ich unweigerlich an das alte Sprichwort denken:
Für jeden Topf gibt es einen passenden Deckel.
Und wenn sich der passende Deckel nicht mehr finden lässt, kann man ihn manchmal einfach selbst machen.